Die
(an)gemessene
Contactlinse


 
 
 

Geschichte

Die Geschichte der Contactlinse

Im Gegensatz zur Brille, deren Anfänge Ende des 13. Jh. In Venedig liegen, hat die Contactlinse eine wesentlich jüngere Geschichte. Die ersten gedanklichen Schritte in Richtung Contactlinse wurden erst 500 Jahre später gemacht.  

Die Anfänge

Bereits Anfang des 19.Jh. experimentierte Thomas Young in London mit einem wassergefüllten Tubus, auf dem eine Linse befestigt war und den er mit einer Wachsdichtung auf sein Auge setzte.

J.F.Herschel schlug vor, eine mit Gelantine gefüllte Haftschale auf das Auge zu setzen, um Astigmastismen (Hornhautverkrümmungen) auszugleichen. Er setzte seine Idee aber nicht in die Tat um.

Gegen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts entwickelte sich die Ophtalmologie zur führenden Fachdisziplin der Medizin. Neue Untersuchungsmethoden erreichten hohe Genauigkeiten und es entstanden Studien zur anatomischen und physiologischen Beschreibung der Augen.

Ende des 19. Jh. experimentierte Xavier Galezowski in Paris mit Gelantineplättchen zur Abdeckung von Wunden nach Staroperationen. Diese wurden mit einer Leimschicht auf der Hornhaut fixiert, um das Risiko von Infektionen zu verringern. Sie waren die Vorläufer der therapeutischen Contactlinsen, die Arzneimittel gezielt an die Hornhaut abgeben.

Der Arzt Friedrich E. Müller benutzte 1920 in Marburg eine Glasschale als Schutzverband (Müllersche Kontaktschale).
 

 

Adolf Eugen Fick (1852-1937)  mit seiner Frau

1888 wurde die Doktorarbeit von Adolf Eugen Fick, Zürich, mit dem Titel: „Eine Contactbrille“ veröffentlicht. Er experimentierte zunächst mit Kaninchen, fertigte Gipsabdrücke von den Augen und ließ danach kleine Glasschüsselchen blasen.
Nach den Untersuchengen an den Kaninchenaugen wagte er sich auch an das menschliche. Er fertigte die Gipsabdrücke von Leichenaugen.
Von Ernst Abbe (Physiker, Optiker und Teilhaber der Firma Carl Zeiss) ließ er sich danach qualitativ verbesserte Kontaktschalen herstellen, die er auch selber trug.
 


Ernst Abbe (1840-1905)
   
August Müller
(1864-1949)

Gleichzeitig und unabhängig von Fick erfand August Müller in Kiel die Contactlinse. Sein Ziel war es eine vollkommenere Sehhilfe als die Brille zu schaffen um seine eigene Kurzsichtigkeit (von -14 dpt) zu korrigieren.
Er nahm Gipsabdrücke von seinem eigenen Auge, um die hintere Fläche entsprechend genau fertigen zu können. Die Linsen ließ er sich von dem Berliner Optiker Otto Himmler schleifen. Sie können heute im Deutschen Museum in München betrachtet werden.
 


Die Contactlinsen von A. Müller im Deutschen Museum
   

Diese ersten Linsen waren sehr groß (Sklerallinsen) und schwer, sie ließen sich schwierig einsetzen und wurden schlecht vertragen. Außerdem waren die Herstellungskosten sehr hoch, weil sich das Glas schwer zu so dünnen Linsen verarbeiten ließ. Die Contactlinse konnte somit nicht mit der Brille konkurrieren und wurde hauptsächlich bei seltenen medizinischen Indikationen eingesetzt. Nur wenige Forscher fuhren mit der Weiterentwicklung fort.

Nach dem 1. Weltkrieg stieg mit dem Wohlstand der 20er Jahre auch wieder das Interesse. Es entstand ein winziger Markt, der von den Firmen Müller (Wiesbaden), Müller-Welt (Stuttgart) und Carl Zeiss (Jena) beliefert wurde, dem allerdings durch die Weltwirtschaftskrise der Nährboden entzogen wurde.
In Deutschland wurde die Weiterentwicklung und Verbreitung durch den 2. Weltkrieg unterbrochen.

1938 stellte I. Györffy aus Ungarn die erste Sklerallinse aus Plexiglas vor. Das erlaubte den entscheidenden Entwicklungsschritt von der Sklerallinse zur Corneallinse.

 

 

Entwicklung von der Sklerallinse (links) zur Corneallinse

Die Corneallinse schwimmt auf dem Tränenfilm und bedeckt nur die Hornhaut (cornea). Sie ist dadurch wesentlich verträglicher.
Diese neue Linsenform wurde unabhängig von dem Amerikaner Kevin M. Tuohy und H. Wöhlk in Kiel entwickelt.

In den folgenden Jahren wurde die Passform der Linsen immer weiterentwickelt um sie noch verträglicher zu gestalten Und 1958 entstand in Deutschland außerdem die erste Bifokallinse.

Die Fortschritte in der Polymerchemie ermöglichten Mitte der fünfziger Jahre die Entwicklung eines Materials zur Herstellung weicher (wasserhaltiger) Contactlinsen. 1966 erwarb die Firma Bausch&Lomb die Rechte an dem Produktionsverfahren mit dem die ersten weichen Linsen in Serie produziert werden konnten. Sie wurden 1971 in den USA zugelassen und auch in Deutschland angeboten.

Neuere Entwicklungen  

Bis heute werden die Linsenformen und Materialien ständig weiterentwickelt und verbessert, was sich positiv auf den Tragekomfort und die Verträglichkeit auswirkt.  

Verbesserte Materialien

Bei den klassischen Weichlinsenmaterialien ist die Sauerstoffdurchlässigkeit vom Wassergehalt abhängig. D.h. je höher der Wassergehalt einer Linse ist, desto besser ist auch die Sauerstoffdurchlässigkeit. Leider werden die Linsen durch den Wassergehalt auch anfälliger gegen Verschmutzungen. Außerdem trocknen Sie während des Tragens etwas aus, was sich auch negativ auf die Sauerstoffversorgung auswirkt.

Ein neueres Material ist das Silikon-Hydrogelmaterial. Es ist durch die Silikonanteile auch bei niedrigem Wassergehalt hoch Sauerstoffdurchlässig. Daher ist dieses Material für längere Tragezeiten besser geeignet.

Auch im Bereich der formstabilen Contactlinsen wurden die Materialien immer weiter verbessert. Das damals gebräuchliche PMMA (Plexiglas) wird heute nicht mehr angepasst, da es nicht Sauerstoffdurchlässig ist. Es gibt nun eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien, aus denen der Contactlinsenanpasser wählen kann.